Stellungnahme zu den Vorfällen in Seefeld von Michael Unterweger

Ich habe natürlich als betroffener Vater und Trainer von Lisa die letzten Wochen mit Interesse verfolgt. Vor allem habe ich versucht zu verstehen, warum jene Athleten, die in Seefeld überführt wurden, so etwas den unmittelbaren Kameraden, den Trainern und ganz besonders ihren Familien antun.

Natürlich wurde auch ich in der Arbeit, aber auch im privaten Umfeld, immer wieder darauf angesprochen, wie so etwas passieren kann. Hat man im Team wirklich nicht vorher etwas bemerkt?

Ich rede jetzt nicht geschwollen von Fakten, mit denen man anscheinend nach Aussagen von Experten die Dopingsünder sofort aufdecken hätte können. Wie die Entwicklung von maximaler Sauerstoffaufnahme, Entwicklung von nicht erklärbaren Leistungen und so weiter. Das alles wurde schon oft in den letzten Tagen von diesen gescheiten Experten getan und die haben die Bühne der interessierten Öffentlichkeit genutzt, um ihre Namen und ihr Wissen wieder einmal zu präsentieren.

Ich vertrete die Meinung, dass speziell innerhalb der Familie manche Dinge nicht bemerkt werden. Ich bezeichne das Team hier bewusst als Familie, denn die Athleten sind das ganze Jahr mit dem Team unterwegs. Im Sommer werden im Zweiwochenrhythmus Trainingskurse abgehalten. Im Winter ist das Team sowieso fast durchgehend miteinander unterwegs. Ja, wie schon Markus Gandler erwähnt hat, wenn man im engsten Kreis betrogen wird, erfährt man es meistens als Letzter. Speziell Markus Gandler war jahrelang eine Vaterfigur, der alles für seine Kinder getan hat. Er hat mit dem geringen Budget einen profimäßigen Betrieb ermöglicht und vor allem hat er den Sportlern so gut er konnte den Rücken gestärkt und hat ihnen vertraut. Genau diese Tugenden werden jetzt bestraft. Markus und das ganze Trainerteam haben Ehrlichkeit, Kameradschaft und Loyalität vorausgesetzt. Leider sind diese Tugenden bei den überführten Athleten nicht vorhanden gewesen.

Ich als Beobachter habe schon eine Veränderung bei einem der beiden Sportler, den ich schon als Kind gekannt habe, bemerkt. Diese Veränderung hätte ich aber nicht auf Doping zurückgeführt. Die Arroganz, die sich derjenige in den letzten Jahren angeeignet hat ist mir aufgefallen. Eine Arroganz, die im Team leider zugelassen wurde, weil genau diese Athleten die Macht verspürten, sich gegen die Trainer aufbäumen zu können. Dieses Stargehabe wurde sogar unterstützt und die Athleten hatten das Gefühl, über den Trainer zu stehen und sogar den Trainer stürzen zu können, wenn er nicht spurt.

Die beiden haben begonnen zu fliegen und man hat leider übersehen sie zum Landen zu zwingen!

Warum ich diese Zeilen schreibe, hat aber einen anderen Grund. Die mediale Aufbereitung macht mir immer mehr Sorgen. Diejenigen Sportler, die mit Vorsatz gegen das Anti-Doping-Gesetz verstoßen haben und das auch zugegeben haben, wird eine Bühne gewährt, um sich rechtfertigen zu könnenDie ersten TV-Übertragungen der erwischten Sportler wurden angekündigt mit der Schlagzeile: „Die Dopingsünder wollen sich bei der Öffentlichkeit entschuldigen.“

In Wirklichkeit haben die beiden Sportler, die in Seefeld überführt wurden, die Bühne dafür genutzt, um ihr krankes Gedankengut weiter zu verbreiten. Ihnen wurde weiterhin die Bühne zur Verfügung gestellt, um sich zu rechtfertigen und nicht um sich zu entschuldigen. Sie haben in die Welt hinausposaunt, dass man ohne Doping keine Spitzenleistungen erzielen kann. Immer wieder haben die drei Dopingsünder, die erwischt wurden, die wohlgemerkt, mit Vorsatz das Gesetz gebrochen haben, diese Stellungnahme im öffentlichen Rundfunk vertreten dürfen. Ein normaler Mensch würde sich bei so einem Vergehen zurückziehen und sich zu tiefst schämen. Diese arroganten Leute besitzen die Frechheit, ihr krankes Gedankengut hinauszuschreien und man gewährt ihnen dafür auch die Bühne!

Mir bereitet die Tatsache Sorgen, dass diese jungen Menschen kein Verantwortungsgefühl besitzen. Mit dieser Rechtfertigung verknüpfen sie noch den Wunsch ihrer Zukunft. Der eine will weiter bei der Polizei bleiben, denn er wollte immer schon Kriminalbeamter werden. Der andere will Medizin studieren und so seinem Leben einen Sinn geben. Der dritte Dopingsünder, ein Wiederholungstäter, will ebenfalls beim Zoll bleiben und weiterhin seinen Dienst verrichten.

Für mich klingt das Ganze nicht so, als würden sie verstehen was sie getan haben. Keine Reue, nein im Gengenteil das kranke Gedankengut ist weiterhin im Kopf verankert. Ich spüre nicht im Geringsten, dass diese Herren endlich für ihre Taten Verantwortung übernehmen wollen. Medial hat sich alles auf den Wiederholungstäter verlagert und die beiden in Seefeld erwischten Sportler sind aus der Schusslinie bzw. sie tun vielen leid.

Mir tun sie nicht leid, nein mir tun die Trainer leid, mir tut der sportliche Leiter Markus Gandler leid, mir tut die Langlauffamilie Österreichs mit den Vereinen, Verbänden und ihren fleißigen leidenschaftlichen Betreuern leid, und am meisten tut mir das engste Umfeld der erwischten Dopingsünder leid, die sich zu tiefst betrogen fühlen müssen.

Ich hoffe die verantwortlichen Behörden nutzen den rechtlichen Rahmen, um die Täter zu bestrafen, die mit Vorsatz das Gesetz gebrochen haben. Ich hoffe die verantwortlichen Behörden nutzen die Gelegenheit, um die Täter zum Landen zu zwingen, denn zurzeit fliegen sie immer noch sehr hoch und man gibt ihnen den Treibstoff, um weiter zu fliegen!

 An alle Sportbegeisterten und kritischen Fans!

 

Mit sportlichen Grüßen

Michael Unterweger

 

Fotos © Nordic Focus Photo Agency

2019-03-08T19:50:56+00:00Freitag, 8. März, 2019|